Was ist die Amazon Brand Registry?
Die Amazon Brand Registry ist Amazons Programm zur Markenregistrierung. Wer seine Marke hier einträgt, bekommt Zugang zu einer Reihe von Tools, die ohne Registry nicht verfügbar sind: A+ Content, Brand Stores, Brand Analytics, Vine und erweiterte Werbemöglichkeiten.
Gleichzeitig ist die Brand Registry Amazons Instrument für Markenschutz. Registrierte Marken können Verletzungen melden, gefälschte Listings beanspruchen und haben generell mehr Kontrolle über ihre Produktdarstellung auf der Plattform. Als Amazon Agentur ist die Brand Registry einer der ersten Schritte, die wir mit neuen Kunden durchgehen, weil sie die Grundlage für fast alles Weitere bildet.
Was die Brand Registry nicht ist: ein Ersatz für eine eingetragene Marke. Du brauchst eine aktive Markenanmeldung beim zuständigen Markenamt (DPMA, EUIPO, USPTO), bevor du dich registrieren kannst. Die Registry selbst schützt deine Marke nicht rechtlich, sie gibt dir Werkzeuge, um sie auf Amazon besser durchzusetzen.
Voraussetzungen: Was du für die Anmeldung brauchst
Die Anforderungen sind überschaubar, aber es gibt Punkte, an denen Anmeldungen regelmäßig scheitern.
Eingetragene Marke: Du brauchst eine aktive Wort- oder Bildmarke, die beim zuständigen Markenamt registriert ist. Für den deutschen Markt ist das in der Regel das DPMA (Deutsches Patent- und Markenamt) oder das EUIPO (EU-Markenamt). Eine laufende Anmeldung reicht in manchen Fällen aus (Amazon akzeptiert teilweise "pending" Marken), aber eine eingetragene Marke ist der sicherste Weg.
Marke auf dem Produkt: Die Marke muss dauerhaft auf dem Produkt oder der Verpackung sichtbar sein. Amazon kann im Verifizierungsprozess Fotos anfordern. Aufkleber, die leicht entfernt werden können, werden teilweise nicht akzeptiert.
Amazon Seller- oder Vendor-Account: Du brauchst einen aktiven Account auf dem Marktplatz, auf dem du die Registry nutzen willst.
Verifizierungscode: Amazon sendet im Rahmen der Anmeldung einen Verifizierungscode an den offiziellen Markeninhaber (über die im Markenregister hinterlegte Kontaktadresse). Dieser Schritt sorgt regelmäßig für Verzögerungen, wenn die Kontaktdaten beim Markenamt veraltet sind.
Amazon Brand Registry Anmeldung: Schritt für Schritt
Der Prozess ist nicht kompliziert, aber es gibt Details, die darüber entscheiden, ob deine Anmeldung in Tagen oder Wochen durchgeht.
Schritt 1: brandregistry.amazon.de aufrufen. Melde dich mit deinem Amazon-Seller-Account an. Klicke auf "Marke registrieren".
Schritt 2: Markeninformationen eingeben. Trage den exakten Markennamen ein, so wie er beim Markenamt registriert ist. Nicht den Firmennamen, nicht eine Abwandlung. Wähle das zuständige Markenamt aus und gib die Registrierungsnummer an.
Schritt 3: Produktkategorien angeben. Amazon fragt, in welchen Kategorien du verkäufst. Das dient der Zuordnung, nicht der Einschränkung. Du kannst später in weiteren Kategorien verkaufen.
Schritt 4: Bilder hochladen. Fotos deiner Produkte und Verpackung, auf denen die Marke sichtbar ist. Klare, gut belichtete Bilder beschleunigen die Prüfung.
Schritt 5: Verifizierung abschließen. Amazon sendet einen Code an die beim Markenamt hinterlegte Kontaktadresse (E-Mail oder Post). Gib diesen Code in der Registry ein. Danach prüft Amazon die Anmeldung, was in der Regel wenige Tage dauert.
Tipp: Prüfe vor der Anmeldung, ob die Kontaktdaten bei deinem Markenamt aktuell sind. Veraltete Adressen sind der häufigste Grund für Verzögerungen im Verifizierungsprozess.
Diese Tools schaltet die Brand Registry frei
Die Registry selbst ist kostenlos. Der eigentliche Wert liegt in den Tools und Funktionen, die du danach nutzen kannst.
Brand Analytics: Zugang zu echten Amazon-Suchdaten. Du siehst, welche Suchbegriffe wie oft gesucht werden, welche Produkte die meisten Klicks und Conversions bei bestimmten Keywords bekommen und wie sich dein Marktanteil entwickelt. Brand Analytics ist die wertvollste Datenquelle für Amazon SEO und Werbestrategie, die Amazon Sellern zur Verfügung stellt.
A+ Content (Enhanced Brand Content): Erweiterte Produktbeschreibungen mit Bildern, Vergleichstabellen und formatiertem Text. A+ Content ersetzt die Standard-Produktbeschreibung und kann die Conversion Rate verbessern.
Brand Store: Dein eigener Shop auf Amazon mit eigener URL. Ein Brand Store gibt dir eine Markenpräsenz jenseits einzelner Listings und dient als Landing Page für externe und interne Traffic-Kampagnen.
Sponsored Brands Ads: Werbeanzeigen, die dein Markenlogo und mehrere Produkte gleichzeitig zeigen. Nur mit Brand Registry verfügbar.
Vine: Amazons Programm für Produktrezensionen. Du kannst Produkte an ausgewählte Vine-Tester senden und erhältst im Gegenzug detaillierte Bewertungen. Besonders wertvoll für Neuprodukt-Launches, bei denen noch keine Rezensionen vorhanden sind.
Markenschutz-Tools: Automatische Erkennung potenzieller Markenverletzungen, Meldefunktion für gefälschte Listings und die Möglichkeit, Listings zu beanspruchen, die deine Marke unberechtigt verwenden.
A+ Content, Brand Store und Vine: Was du damit anfangen kannst
Die Tools freizuschalten ist eine Sache. Sie richtig einzusetzen eine andere.
A+ Content bringt den größten Effekt bei Produkten, die erklärungsbedürftig sind oder einen visuellen Vorteil haben. Ein Produkt, das sich über Bilder und Vergleiche besser verkaufen lässt als über Text, profitiert messbar von A+ Content. Bei einfachen Commodities ist der Effekt oft geringer. Setze A+ Content strategisch ein: auf deinen Top-Sellern und bei Produkten mit hohem Traffic aber unterdurchschnittlicher Conversion Rate.
Brand Stores werden oft aufgebaut und dann vergessen. Der eigentliche Wert entsteht durch regelmäßige Aktualisierung und gezielte Traffic-Steuerung. Nutze den Store als Landing Page für Sponsored Brands Kampagnen und externe Kampagnen. Strukturiere ihn nach Kategorien oder Anwendungsfällen, nicht nach interner Produktlogik.
Vine ist ein Investitions-Tool: Du verschenkst Produkte, bekommst dafür Rezensionen. Das lohnt sich am meisten bei neuen Produkten, die ohne Bewertungen kaum Conversion erzielen. Rechne die Kosten (Produktwert + Vine-Gebühr) gegen den erwarteten Conversion-Lift durch erste Bewertungen. Bei hochpreisigen Produkten kann das schnell teuer werden.
Häufige Fehler bei der Brand Registry Anmeldung
Markenname stimmt nicht exakt überein. Amazon gleicht den eingegebenen Namen mit der Markenregister-Datenbank ab. Schon ein Leerzeichen oder ein Sonderzeichen Unterschied kann zur Ablehnung führen. Prüfe den exakten Wortlaut deiner Registrierung.
Veraltete Kontaktdaten beim Markenamt. Der Verifizierungscode geht an die im Register hinterlegte Adresse. Wenn dort noch die Kanzlei steht, die deine Marke vor fünf Jahren angemeldet hat, kommt der Code nie bei dir an. Aktualisiere die Daten vor der Anmeldung.
Marke nur als Bildmarke registriert. Amazon bevorzugt Wortmarken oder Wort-Bild-Marken, bei denen der Text klar lesbar ist. Reine Bildmarken ohne erkennbaren Schriftzug führen häufig zu Problemen bei der Anmeldung.
Registry mit dem falschen Account verknüpft. Die Brand Registry wird an einen bestimmten Seller-Account gebunden. Wenn du mehrere Accounts hast (z.B. für verschiedene Marktplätze), stelle sicher, dass du den richtigen wählst. Nachträgliches Umziehen ist möglich, aber aufwendig.
Brand Registry und Markenschutz: Was Amazon wirklich tut
Die Brand Registry verbessert deinen Markenschutz auf Amazon, aber sie ist kein Allheilmittel.
Was funktioniert: Du kannst Listings melden, die deine Marke unberechtigt verwenden. Du hast Zugang zum "Report a Violation" Tool, mit dem du Fälschungen, Markenrechtsverletzungen und Content-Diebstahl direkt an Amazon eskalieren kannst. Amazon reagiert in der Regel innerhalb weniger Tage, bei eindeutigen Fällen oft schneller.
Was nicht funktioniert: Amazon wird nicht proaktiv jeden Verstoß für dich finden und lösen. Die automatische Erkennung ist besser geworden, fängt aber nicht alles ab. Besonders bei ähnlich klingenden Markennamen oder abgewandelten Produktkopien musst du selbst aktiv werden und regelmäßig überwachen.
Die Brand Registry ist kein Ersatz für eine aktive Markenstrategie. Sie ist ein Werkzeug in deinem Markenschutz-Werkzeugkasten: wertvoll, aber nur so gut wie die Person, die es benutzt.
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