Amazon Seller vs. Vendor: Der komplette Vergleich

Amazon Vendor vs. Seller Central im Direktvergleich: Kontrolle, Margen, Fulfillment, Werbung und wann welches Modell passt.
Levi Jäger
Mar 2026
6 min

Amazon Seller Central vs. Vendor Central: Der Überblick

Seller Central und Vendor Central sind zwei grundlegend verschiedene Geschäftsmodelle auf Amazon. Bei Seller Central verkaufst du direkt an Endkunden. Bei Vendor Central verkaufst du an Amazon, und Amazon verkauft weiter an Endkunden. Der Unterschied klingt klein, verändert aber alles: Preiskontrolle, Margen, Logistik, Daten und Werbemöglichkeiten.

Als Amazon Agentur beraten wir Marken in beiden Modellen. Dieser Post ist der direkte Vergleich: keine Theorie, sondern die konkreten Unterschiede, die deine Entscheidung bestimmen sollten. Wer tiefer in Vendor Central einsteigen will, findet im Amazon Vendor Central Guide alle Details.

Kontrolle über Preise und Listings

Seller Central: Du setzt den Verkaufspreis. Du bestimmst, wann du den Preis änderst, ob du Aktionen fährst und wie du auf Wettbewerb reagierst. Deine Listings kontrollierst du vollständig: Titel, Bullet Points, Bilder, A+ Content. Du bist der Händler.

Vendor Central: Du verhandelst einen Einkaufspreis mit Amazon. Den Endkundenpreis bestimmt Amazon. Amazon kann (und wird) den Preis senken, wenn der Algorithmus es für sinnvoll hält. Das destabilisiert oft den gesamten Vertrieb, weil andere Händler den niedrigeren Amazon-Preis als Benchmark nehmen. Listings kannst du als Vendor vorschlagen, aber Amazon hat das letzte Wort. Änderungen dauern oft länger als auf Seller Central.

Fazit: Seller Central gibt dir volle Kontrolle. Vendor Central gibt Amazon die Kontrolle.

Fulfillment und Logistik

Seller Central (FBA): Du schickst Ware an Amazons Lager, Amazon übernimmt Versand, Retouren und Kundenservice. Du entscheidest, wie viel Ware du einlagerst und wann du nachlieferst. Die FBA-Gebühren sind transparent und kalkulierbar. Alternativ kannst du FBM (Fulfillment by Merchant) nutzen und selbst versenden.

Vendor Central: Amazon bestellt bei dir per Purchase Order (PO). Du lieferst an Amazons Lager. Amazon übernimmt den gesamten Versand an Endkunden. Das vereinfacht deine Logistik, aber du hast keine Kontrolle über Bestellmengen und Timing. Wenn Amazon weniger bestellt als du erwartest, hast du Out-of-Stock-Situationen, die du nicht steuern kannst. Dazu kommen Chargebacks für Verpackungs- oder Lieferfehler.

Fazit: FBA ist planbar und kontrollierbar. Vendor-Logistik ist einfacher, aber abhängig von Amazons Bestellverhalten.

Werbemöglichkeiten im Vergleich

Seller Central: Zugang zu Sponsored Products, Sponsored Brands und Sponsored Display über den Seller Central Campaign Manager. DSP ist möglich, aber oft über Drittanbieter oder Agenturen. Detaillierte Suchbegriffsberichte und Conversion-Daten für Kampagnen-Optimierung.

Vendor Central: Zugang zu denselben Werbeformaten, aber über die Amazon Advertising Console. Vendors haben oft leichteren Zugang zu Amazon DSP und bestimmten Premium-Platzierungen. Amazon räumt Vendors bei einigen Werbeprogrammen Priorität ein.

Fazit: Nahezu identische Werbemöglichkeiten. Vendors haben leichte Vorteile bei DSP-Zugang und Premium-Platzierungen.

Reporting und Daten

Seller Central: Detaillierte Echtzeit-Daten: Verkäufe, Traffic, Conversion Rate, Suchbegriffe, Lagerbestand. Alles auf ASIN-Ebene, täglich aktualisiert. Du siehst genau, was funktioniert und was nicht. Brand Analytics (für Brand-Registry-Seller) liefert zusätzliche Marktdaten.

Vendor Central: Amazon Retail Analytics (ARA) Basic ist kostenlos, aber eingeschränkt. Daten sind weniger granular und oft zeitverzögert. ARA Premium bietet detailliertere Einblicke, ist aber kostenpflichtig und nicht für alle Vendors verfügbar. Du siehst weniger über das Kaufverhalten deiner Endkunden als auf Seller Central.

Fazit: Seller Central liefert deutlich bessere Daten. Für datengetriebene Marken ist das ein erheblicher Nachteil von Vendor Central.

Margen und Profitabilität

Seller Central: Du verkaufst zum Endkundenpreis und zahlst Amazon-Gebühren: Referral Fee (typischerweise 15 %), FBA-Gebühren (variabel nach Größe und Gewicht), optional PPC-Kosten. Deine Marge ist transparent und du kannst sie über Preisgestaltung steuern.

Vendor Central: Du verkaufst an Amazon zum verhandelten Einkaufspreis (typischerweise 40 bis 60 % unter Retail). Dazu kommen Co-Op-Beiträge (5 bis 15 % des Umsatzes), Chargebacks, Frachtkosten-Abzüge und Mengenrabatte. Die effektive Marge ist oft deutlich niedriger als auf Seller Central, und die Kostenstruktur ist weniger transparent.

Fazit: Seller Central bietet in der Regel höhere und besser steuerbare Margen. Vendor Central hat höheres Volumen-Potenzial, aber niedrigere Netto-Margen.

Entscheidungshilfe: Welches Modell passt zu dir?

Seller Central ist besser für dich wenn: Du Preiskontrolle brauchst. Deine Margen die Vendor-Abzüge nicht vertragen. Du datengetrieben arbeitest und detaillierte Performance-Daten brauchst. Du schnell auf Marktveränderungen reagieren willst. Du ein kleines bis mittleres Sortiment hast, das du selbst managen kannst.

Vendor Central ist besser für dich wenn: Du ein großer Hersteller mit starker Marke bist. Dein Sortiment so umfangreich ist, dass die operative Vereinfachung echten Wert hat. Das "Verkauf und Versand durch Amazon" Badge in deiner Kategorie einen messbaren Conversion-Vorteil bringt. Deine Margen die Vendor-Abzüge absorbieren können. Du Amazon als einen von vielen Vertriebskanälen nutzt und nicht von einem Kanal abhängig bist.

Hybridmodell: Für viele Marken ist die beste Lösung ein Hybridansatz. Top-Seller und Produkte mit hohem Volumen über Vendor Central, neue Produkte und Nischen-SKUs über Seller Central. So kombinierst du die Vorteile beider Modelle. Wichtig: Vermeide, dass dasselbe Produkt auf beiden Kanälen läuft, das führt zu Buy-Box-Konflikten.

Die ehrliche Empfehlung: Entscheide nicht nach Prestige, sondern nach Marge. Rechne beide Modelle durch und wähle das, was unter dem Strich mehr übrig lässt.

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Levi Jäger
Co-Founder & Head of Performance